Walter Wippersberg

 

Rückkehr

Walter Wippersberg
Eine Rückkehr wider Willen.
Zwei Berichte über mich

180 Seiten € 18,–
ISBN: 978-3-7013-1152-1
Otto Müller Verlag Salzburg 2008

Erhältlich in jeder guten Buchhandlung oder z.B. bei Amazon


»Vom Anfang erzähle ich und von einer Zeit, die das Ende hätte sein können. Eine Art Vorspiel zum Leben das eine, eine Art Vorgeschmack aufs Sterben das andere.«
Walter Wippersberg

Walter Wippersberg, bekannt als genauer Beobachter politischer Entwicklungen und als profunder Religionskritiker, erzählt diesmal über sich selbst.
Er ist über sechzig, als er in die oberösterreichische Kleinstadt zurückkehrt, in der er aufgewachsen ist und die neunzehnjährig verlassen hat. Er wird jenes Krankenhaus eingeliefert, in dem er auch geboren wurde, und für eine Weile sieht es so aus, als würde er hier vielleicht auch sterben.
Wippersberg erzählt von einer Nachkriegskindheit und von ein paar Monaten im Jahr 2006, die von lebensbedrohenden Krankheiten bestimmt sind.
Auffallend genau, sehr eindringlich, ganz unsentimental und gerade deshalb berührend. Die beiden ineinander verschränkten Berichte lassen einen Sog entstehen, dem man sich kaum entziehen kann.
Wie nebenbei öffnet das Buch Einblicke in die großen Fragen nach dem Leben und dem Tod und schlägt neben beklemmenden auch hoffnungsvolle Töne an.


Ein Interview zum Buch
Rezensionen
Karl-Markus Gauß in der Neuen Zürcher Zeitung
Nils Jensen in BUCHKULTUR
Martina Wunderer / literaturhaus.at
Helmuth Schönauer biblio.at
Walter Kohl in Literatur und Kritik

 

Ein Interview zum Buch
(Oberösterreichische Nachrichten 9.9.2008)

Vorgeschmack auf das Sterben

Walter Wippersberg überrascht mit autobiografischen Berichten über seine Kindheit und über seine lebensbedrohliche Krankheit. Wie es zu „Eine Rückkehr wider Willen kam", erklärt er im OÖN-Interview.
OÖN: Wer Walter Wippersberg kennt, erwartet sich nicht unbedingt eine Autobiografie.
Wippersberg: Es gibt ja Autoren, die immer nur über sich selber schreiben. Zu denen gehöre ich bestimmt nicht. Dafür nehm' ich mich selbst nicht ernst genug. Aber Autobiografisches fließt natürlich in jede Art von Literatur ein. Ich notiere tagebuchartig vieles, was mir auffällt, was mir zustößt – und was mir dazu einfällt. Ich sammle literarisch verwertbares Material. So hab' ich auch das, was mir im Jahr 2006 alles zugestoßen ist, ziemlich genau protokolliert. Ich hätte daraus einen Roman machen können, in dem einem Mann halt so was Ähnliches passiert. Aber ich hatte das Gefühl, diesmal muss ich „ich" sagen, direkt von mir selbst erzählen.
OÖN: Stellen sich Stilfragen beim autobiografischen Erzählen anders als beim Roman?
Wippersberg: Im Grunde braucht jeder Stoff eine ganz eigene Form. Die muss gefunden werden. Und zwar in jedem Fall immer wieder neu. In diesem Fall hab' ich mich für ein Konzept entschieden, das schon in den allerersten zwei Sätzen des Buches definiert wird: „Vom Anfang erzähle ich und von einer Zeit, die das Ende hätte sein können. Eine Art Vorspiel zum Leben das eine, eine Art Vorgeschmack aufs Sterben das andere."
OÖN: Ihre schwere Erkrankung hat Sie in Situationen gebracht, die ziemlich „unheroisch" sind. Fällt es schwer, davon zu erzählen?
Wippersberg: Ja. Und gerade deshalb muss man es tun. Schon auch aus therapeutischen Gründen. Wenn man so ganz und gar auf das Nichtfunktionieren des eigenen Körpers reduziert ist, dann ist das erbärmlich, und das muss man auch so beschreiben. Da braucht's, damit nicht sentimentaler Kitsch draus wird, auch eine gewisse Schonungslosigkeit. Und die kommt, bin ich draufgekommen, nur zum Tragen, wenn ich sag': Ja, das bin ich.
OÖN: Ihre Geburtsstadt Steyr spielt eine große Rolle in diesem Buch.
Wippersberg: Ich war über 60 Jahre alt, als ich für einige Zeit in diese Stadt zurückgekehrt bin, die ich 19-jährig verlassen hab'. Ich bin in das Krankenhaus eingeliefert worden, in dem ich auch geboren bin, und gelegentlich hat's so ausgesehen, als würde ich hier vielleicht sterben. Da denkt man auch ein bisserl darüber nach, was diese Stadt einmal für mich bedeutet hat –und ob davon noch irgendwas übrig geblieben ist.
OÖN: Wenn Autoren von Ihrer Kindheit erzählen, geht's oft um Verletzungen. Ihre Kindheit wirkt erstaunlich unbeschädigt.
Wippersberg: Das war eine Nachkriegskindheit. Wir wurden eigentlich nicht wirklich erzogen, wir hatten ungeheuer viele Freiräume. Manchen hat das gar nicht gutgetan, mir schon. Ich konnte mich auf diese Art selber erfinden. Ich kann also dafür, wie ich geworden bin, nur mich verantwortlich machen, sonst niemanden.
OÖN: Ihr Urteil über die Ärzte und das Gesundheitswesen ist in Summe positiv. Oder täuscht der Eindruck?
Wippersberg: Unser Gesundheitssystem ist exzellent. Dass ich noch lebe, verdanke ich der Tatsache, dass alles, was die moderne Medizin heute kann, auch in einem Provinzkrankenhaus wie in Steyr zur Verfügung steht. Die Ärzte haben es mit mir nicht immer leicht gehabt. Ich habe sehr deutlich gesagt, was ich will und was bestimmt nicht. Das waren immer Gespräche auf gleicher Augenhöhe. Ich hab' mich gut behandelt und gut aufgehoben gefühlt.
OÖN: Man sagt, eine schwere Krankheit sei auch eine Krise, die Menschen grundsätzlich verändere. Haben Sie sich verändert?
Wippersberg: Interessanterweise nicht wirklich. Wenn man, woran man auch hätte sterben können, überlebt, dann stellt sich natürlich die Frage: Was anfangen mit dem Rest Leben, den man nun doch noch hat? Das hat mich lange beschäftigt. Das Ergebnis war verblüffend für mich. Ich bin draufgekommen, dass ich genau die Lebensform, die mir entspricht, eh schon gefunden hab'. Ich lebe seit Jahren tatsächlich so, wie ich leben will. Das war mir gar nicht so bewusst. Jetzt weiß ich's, also lebe ich sogar noch ein bisschen besser als vorher!

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Vorspiel des Lebens, Vorgeschmack des Todes
Eine Woche nach Ostern geschieht es: Ein Schriftsteller, der gerade ein Buch fertiggestellt hat, das «Einiges über den lieben Gott» heissen wird und diesen als Erfindung der todesfürchtigen Menschen deutet, muss sich unter Magenkrämpfen und Todesahnungen ins Spital begeben. Es ist das erste Mal für ihn, wiewohl er immerhin 61 Jahre alt ist und sich nicht gerade eines gesunden Lebenswandels befleissigt hat. Selbst in der grössten Pein versucht er Übersicht zu bewahren: «Was muss man mitnehmen ins Krankenhaus? Die Zigaretten darf ich nicht vergessen.»
Im Krankenhaus wird eine gefährliche Verschlingung des Gedärms festgestellt und, als diese behoben ist, Lymphdrüsenkrebs im Anfangsstadium. Die Operation glückt, doch kaum dass der Patient nach Wochen draussen wieder die ersten Schritte tut, bricht er mit einem Herzinfarkt zusammen. Das Jahr 2006 war für den 1945 geborenen Walter Wippersberg, dem vom Kinderbuch über den Krimi, den politischen Essay bis zum Fernsehfilm viele Genres zu Gebote stehen, kein gutes Jahr. Aber er hat es überlebt und das, was ihm widerfahren ist, zum Anlass genommen, seine Lebensgeschichte von zwei Seiten aus aufzurollen: «Vom Anfang erzähle ich und von einer Zeit, die das Ende hätte sein können. Eine Art Vorspiel zum Leben das eine, eine Art Vorgeschmack aufs Sterben das andere.»
Die zwei «Berichte über mich», wie der Untertitel seines stilistisch glasklaren Buches heisst, erzählen in minuziöser Parallelführung von den drei Monaten, in denen sich der um sein Leben ringende Autor erfolgreich seinen Atheismus zu bewahren versucht, und von seiner Kindheit und Jugend im oberösterreichischen Steyr. Wie Wippersberg nicht nur die kurze Geschichte seiner Krankheit mit der langen seiner Entwicklung zum Schriftsteller und eigensinnigen Geist zu verbinden weiss, sondern es auch noch zuwege bringt, die wechselvolle Geschichte einer österreichischen Provinzstadt darzulegen und die sozialen und kulturellen Veränderungen seit den fünfziger Jahren in prägnanten Details zu fassen, das ist atemberaubend.
Gerade weil er von den Wunden und Wundern der Kindheit so selbstdiszipliniert und von den leiblichen Beschwernissen, den peinlichen wie peinigenden Untersuchungen im Krankenhaus mit dem Pathos der Nüchternheit berichtet, vermag er zu rühren. Sein privater Bericht erhält universelle Dimensionen, was gewiss mit der uneitlen Persönlichkeit des Autors zusammenhängt.
Steyr, muss man anfügen, ist als österreichische Provinzstadt besonders und typisch zugleich. Prägend wirkte dort die unternehmerische Gestalt des Industriellen Josef Werndl, der Waffen für alle Welt und jede Krisenregion produzierte und den Arbeitern eigene Siedlungen baute, die ihnen ein weit besseres Wohnen gewährten, als es in der Zwischenkriegszeit üblich war. Heftiger als anderswo tobte in Steyr der Bürgerkrieg vom Februar 1934, der damit endete, dass die Siedlungen der renitenten Arbeiter vom Bundesheer sturmreif geschossen wurden. Und gerade in Steyr rächten sich die gedemütigten Arbeiter am christlichen Ständestaat, indem sie in Scharen zu den Nazis überliefen.
Dem Bild, das Wippersberg von seiner Stadt gibt, ist diese heute teils idealisierte, teils verdrängte Vergangenheit eingezeichnet, immer wieder kehrt er mit den überzeugend eingefangenen Biografien von Nachbarn und Lehrern, von Honoratioren und Originalen der Stadt tief in deren Geschichte zurück. So ist sein Lebensbericht vom Anfang und vom glücklich hinausgezögerten Ende zugleich das Porträt einer Stadt, die sich ihrer Widerstandskämpfer nicht weniger ungern erinnert als ihrer Nazikollaborateure.
Als der Kranke einmal fürchtet, den nächsten Tag nicht zu überleben, geht ihm ein missbehaglicher Gedanke durch den Kopf. Seine Lebensdaten würden dann künftig die Eckpfeiler haben: «geb. 1945 in Steyr, gest. ebda.» Die Aussicht ärgert ihn, denn sein Werdegang scheint ihm durch diese biografische Klammer keineswegs richtig erfasst. Er ist ja gleich nach der Schule weggezogen, hat vierzig Jahre in Wien gelebt, und dass er ausgerechnet hier, wo er geboren wurde und aufwuchs, zusammengebrochen ist und sterben soll, ist nichts als ein Zufall; weniger noch als mit dem Tod selbst kann er sich mit dem Ort abfinden, an dem ihn dieser zu ereilen droht. Aber so kritisch er sie auch sieht, mit seiner doppelten Chronik kehrt er doch in jene Stadt zurück, die er einst verlassen und der er auf seine Weise die Treue bewahrt hat. Walter Wippersberg hat überlebt; er schreibt wieder, fürs Erste dieses gänzlich unsentimentale, bewegende Buch, und er raucht wieder. Möge er beides noch lange tun können.
Karl-Markus Gauß in Neue Zürcher Zeitung

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Der aus Steyr stammende Schriftsteller, Filmemacher, Hochschullehrer Walter Wippersberg, Jahrgang 1945, ist Filmfreunden wohl als Autor des Streifens »Das Fest des Huhnes« bekannt; von seinen Romanen sei »Die Geschichte eines lächerlichen Mannes« hervorgehoben oder der Essayband »Einiges über den lieben Gott«. Ganz neu sind seine »zwei Berichte über mich«. Vorweggenommen: Ein herrliches Buch.
Darin verknüpft Wippersberg geschickt zwei Ebenen: Er erinnert in der einen an seine Kindheit in Steyr; stellt dazu Historisches, etwa über den zeitweiligen Wohnort Ennsleiten und in einem Bogen die Entstehung des Viertels über 1934 bis in die 1960er-Jahre. Anekdoten, leicht gefügt wie ein Aquarell. Man lernt den Autor sehr nahe kennen. Das wird in keinem Fall unangenehm, denn Wippersberg weiß natürlich ganz genau, wie man die Pointen setzt, was Dramaturgie ist, schließlich unterrichtet er an der Universität für Musik und darstellende Kunst.
Auf der anderen Ebene erzählt er vom Jahr 2006: Krebsdiagnose, Operation, Chemotherapie. Und als das überwunden scheint, ein Herzinfarkt. Wäre es erfunden, würde man wohl sagen: Etwas dick aufgetragen.
So aber entsteht ein wahrhafter und zugleich hochliterarischer Text, den man mit großem Interesse lesen kann, auch wenn man nicht weiß, wie »real« das Ganze ist.
»Eine Rückkehr wider Willen« ist das, denn nachdem Wippersberg schon lange aus Steyr weggezogen ist, muss er noch einmal für eine Zeit – die auch Endzeit hätte bedeuten können – dorthin zurück. Nebenbei erfährt man, wo sich der Autor zu Hause fühlt (»wo Mostbirnbäume wachsen«) und wo er seine erste Zigarette wie auch seine »zweite erste« Zigarette rauchte. Hat also aus Erinnerungen und frischen Erfahrungen einen Lebensbericht zusammengestellt, der mich als Leser erfreut und packt.
Er beschließt das Buch mit einem herrlichen Satz. »Egal, ich erinnere es so, also war es so, vielleicht für niemanden sonst, aber für mich.« Geneigte Leserinnen und Leser, Sie werden das Buch, ebenso wie ich, zu schätzen wissen.
Nils Jensen in BUCHKULTUR

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Walter Wippersberg neues Buch "Eine Rückkehr wider Willen" erzählt die Geschichte einer Kindheit als "Vorspiel zum Leben" und einer Krankheit als "Vorgeschmack aufs Sterben". "Zwei Berichte über mich" lautet der Untertitel. Der Erzähler ist unverhohlen der Autor selbst, Wippersberg selbst hat die Geschichte so, wie er sie schildert, auch erlebt. Er erzählt "vom Anfang (...) und von einer Zeit, die das Ende hätte sein können", von seinem Heranwachsen im Nachkriegsösterreich und von einigen Monaten im Jahr 2006, als er, inzwischen über sechzig, einen harten Kampf gegen den Tod ausficht. Die beiden Berichte sind über den Ort des Geschehens miteinander verschränkt, Schauplatz beider Lebensabschnitte ist Steyr, eine oberösterreichische Kleinstadt. Mit neunzehn hatte der Erzähler diesen seinen Geburtsort in Richtung Wien verlassen, war geflohen vor "dumpfem Nachkriegs-Biedermeier, selbstherrlichem Wiederaufbau-Optimismus – und hartnäckigem Schweigen über das, was die Erwachsenen, unter denen ich aufgewachsen war, vor 1945 getan hatten."
Nun, mehr als vierzig Jahre später, zwingt ihn eine lebensbedrohliche Erkrankung zur "Rückkehr wider Willen". Die Ironie des Schicksals will es, dass er mit akuten Bauchschmerzen in eben jenes Krankenhaus eingeliefert wird, wo er auch geboren wurde. Beinahe wäre er hier auch gestorben. Der Dünndarm hatte sich in den Dickdarm gestülpt, ausgelöst wurde diese Invagination durch einen Tumor. Krebs, lautet die niederschmetternde Diagnose. Es folgen Operationen, Chemotherapie, Herzinfarkt, Intensivstation, der Kranke fühlt sich zunehmend erbärmlich, kraftlos, in Gedanken schon dem Tod zugeneigter als dem Leben.
Der eigene Körper wird ihm zum Feind, misstrauisch steht er ihm von nun an als genauer Beobachter gegenüber. Ohne Scheu, ohne Scham führt er ihn dem Leser vor, in seinem Schmerz, seiner Gebrechlichkeit, seiner eigenen erniedrigenden Hilflosigkeit. Der Erzähler zeigt keinerlei Interesse daran, seinen Zustand in poetische Metaphern zu kleiden, den eigenen körperlichen Verfall durch euphemistische Verfremdung abzumildern, er übt keinerlei Rücksicht gegen sich oder gegen den Leser. Dieser fühlt sich durch die Intimität der Darstellung oft als Voyeur wider Willen, er ist versucht, ob der heiklen Thematik wie der Bauer bei Wilhelm Buschs Max und Moritz abwehrend zu fragen: "Wat geiht meh dat an?" Doch Wippersberg kennt diese Gefahren eines Intimrapports und schreibt gegen sie an, indem er einerseits der Krankengeschichte die Geschichte seiner unbeschwerten Kindheit gegenüberstellt und andererseits eine Form und Sprache findet, der es gelingt, die nötige Distanz zu schaffen, ohne unbeteiligt zu wirken. Unsentimental, beinahe lakonisch protokolliert er den Verlauf seiner Krankheit, selbstironisch und aufrichtig setzt er sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinander und rührt wie nebenbei an die großen Fragen – nach dem Sinn des Lebens, nach der Existenz Gottes, nach der Vorstellung, was uns nach dem Tod erwartet. Seine Antworten sind erfrischend heiter, versöhnlich, lebensbejahend, er vermeidet falsches Pathos, späte Reue, peinliche Bekenntnisse und gute Vorsätze: "Was anfangen mit dem Rest Leben, der noch bleibt? Neu anfangen (...), auf einen Selbsterfahrungstrip gehen? (...) Um zu erfahren, wer oder was ich eigentlich bin? Ich will das doch nicht wissen. Lieber bleibe ich mir, wenn's geht, ein Rätsel bis zuletzt."
Sich selbst ein Rätsel bleiben: Indem er sich erzählt, wird er sich fremd, eine Fiktion. "Ich ist ein anderer", bekannte schon Rimbaud. Wippersbergs Erzähler führt in seinem Text mindestens zwei "Ich" vor, es gibt mehrere Ebenen des Erzählens und des Erzählten. Spricht er vom Anfang, wählt er die "Er"-Form und betrachtet sich von außen, erzählt wird im Präsens: "Das Kind, es mag drei oder dreieinhalb Jahre alt sein, sitzt unter einem schweren Holztisch." Dann wechselt er in die unmittelbare Rede von sich als einem vergangenen, erinnerten "Ich", die dazugehörende Erzählzeit ist der Imperfekt: "In den ersten fünfzehn Jahren wohnte ich mit meiner Mutter und meinem Bruder im Haus Schlüsselhofgasse 34." Zuletzt wechselt er in die Rede von sich als dem Schriftsteller, Hochschulprofessor, Ehemann und Vater, der er geworden ist, erzählt wird erneut im Präsens: "Am Freitagmorgen wache ich mit Bauchschmerzen auf."
Durch diese Variation zwischen "Er" und "Ich", zwischen dem Bericht und dem unmittelbar Sprechenden, wird das Ich, das erzählt und dabei gleichzeitig sich erzählt, ungeheuer komplex, bar jeder Unmittelbarkeit: "Ich denke: Da ist der eine, der ich zum Beispiel zwölfjährig war, und der andere, als den ich mich erfunden habe und der ich dann tatsächlich wurde. Aber so einfach ist das nicht. Den Zwölfjährigen, der ich war, gibt es nicht mehr, nur mehr den, den ich erinnere. Und Erinnerung ist (...) eben auch Erfindung."
Schon als Junge hatte er sich zum ersten Mal erfunden, als Schriftsteller, ebenso gut hätte es Maler, Bildhauer oder Architekt sein können. Damals, fast noch ein Kind, ein Lebensanwärter, noch werkledig, probierte er gemeinsam mit seinem besten Freund Teddy unterschiedliche "Lebens- und Daseinsentwürfe" aus, übte "für das spätere, fürs wirkliche Leben, so wie wir uns das halt vorstellten. Es würde (...) woanders stattfinden. Wo auch immer, in Steyr nicht. Wir warteten." Worauf, diese Frage stellte sich ihnen so konkret damals noch nicht. Ihre Sehnsucht brauchte keinen Gegenstand. Und eben dies unterscheidet den Mann von heute von dem Heranwachsenden von damals: "Die Sehnsucht ist verschwunden. Und das, als einziges eigentlich, schmerzt."
An die Stelle der Sehnsucht ist nun die Hoffnung getreten: "Lebenssatt zu sterben: Diese Hoffnung gebe ich vorläufig nicht auf." Und diese Hoffnung gibt Wippersbergs reiches, kluges, eindringliches Buch dem Leser mit auf den Weg.
Martina Wunderer / literaturhaus.at

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Gerade wenn das Leben gelungen dahin flutscht, nimmt es oft einen geradezu atemberaubenden Lauf.
Walter Wippersberg erzählt von diesem Hüftknick, der einen so mitten im Saft stehend erwischen kann. Irgendwie hat alles mit der Stadt Steyr zu tun, hier wuchs der Ich-Erzähler auf, hier wurden seine Routen für die Zukunft angelegt, hier kam es zu ersten literarischen Aktionen. Aus der Entfernung wirkt diese Kindheit völlig unauffällig, man hat den Eindruck, der Autor hat mit Steyr und der Vergangenheit friedlich abgeschlossen. Ein Symptom dieser beinahe harmonischen Nicht-Erinnerung ist der Vater, der kurz nach der Geburt des Autors verstorben ist, aber zum Unterschied von so vielen hysterischen Vater-Suchern, bleibt in diesem Fall die Vergangenheit unangetastet.
Doch Steyr wird man nicht so schnell los. Der Autor erkrankt lebensbedrohlich an einer Darmgeschichte und muss notgedrungen in Steyr ins Spital. Was jetzt folgt, ist eine beinahe irreal wirkende Auseinandersetzung mit dem Leben. Schnell wachsende Bäume pflanzen, die man noch zu Lebzeiten ausgewachsen sieht, ein Manuskript abschließen, Prüfungstermine für das neue Semester ausschreiben, alles erscheint seltsam wichtig, und dann kippt die Stimmung in jene Zeitlosigkeit, worin alles egal ist. Verstorbene Freunde kommen einem in den Sinn, warum fehlt der Kollege Axel Corti an der Filmakademie auch nach Jahren noch. Wie klingt eine Stimme, die dem Tod ins Auge sieht und quasi aus dem Jenseits spricht?
Walter Wippersberg erzählt unbarmherzig genau von Krankheit, Elend und Tod. Ein unkontrolliert arbeitender Darm bringt alle Niederungen des menschlichen Daseins hervor, während sich der Kopf noch mit der feinsten Kultur beschäftigt, lässt in der Tiefe der Darm aus und spuckt pure Scheiße hervor.
Der Autor hält sich nicht zurück mit Gefühlen der Angst und den schweißtreibenden Vorstellungen eines nahen Endes. Für uns Leser klingt eine große Bescheidenheit aus den Aufzeichnungen, selbst das fitteste Leben kann über Nacht zerbrechlich durchsichtig und jenseits-porös werden. Der Tod ist das andere Ende der Kindheit, weshalb Walter Wippersberg seinen Lebensessay schlicht "zwei Berichte über mich" nennt.
Das Leben dreht oft seltsame Schlieren in der Daseins-Landschaft. Während der Autor Herzinfarkt und krebsnahe Todeskrankheit nicht zuletzt wegen der bravourösen Leistung der Medizin überlebt, stirbt der vertraute Arzt, der ihm das Leben gerettet hat, an Lungenkrebs.
Walter Wippersberg deutet nicht lange herum, er ist selbst erstaunt, was sich so alles in einem und um einen herum abspielen kann, wenn die Krise angesagt ist. Als Dramaturg und Drehbuchfachmann weiß er, dass es gegen die Pläne des eigenen Lebens kein Drehbuch gibt. Das ist eine versöhnliche Botschaft, die über Kindheit, Krankheit, über Steyr, Literatur und das Leben überhaupt einen zurückgenommenen weisen Ton legt.
Helmuth Schönauer biblio.at

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Gnadenlose Distanz, brutale Entblößung
Zwei Bücher von Walter Wippersberg


Mein Verhältnis zu allem Religiösen ist ein zwiespältiges. Acht Jahre an einer Katholischen Schule haben alles an Wertvollem, das dem Christentum eigen sein mag, mit einiger Nachhaltigkeit hinausgebläut aus dem damaligen Kinder- und Teenagerhirn, eben wegen des Versuchs, das Katholische in es hineinzubläuen. Umso neugieriger wurde ich, als ich von einem Buch Walter Wippersbergs über den lieben Gott hörte. Dieser Mann, den ich als einen kühlen Rationalisten kannte, als ebenso offen und bereit für Diskurse wie fähig zu pragmatischem Umgehen mit der einflussreichen Position, die er im österreichischen oder zumindest oberösterreichischen Literaturbetrieb einnimmt, schreibt über – Gott? Dieses erklärte Geisteskind von Humanismus und Aufklärung, dieser politische Mensch, der Spott und Ironie manchmal in die eigene Richtung, oft aber gnadenlos gegen alles einsetzt, was ihm dumm oder irgendwie tümelnd erscheint, begibt sich in Gefilde, die für mich unauflöslich mit verschiedenen, aber immer negativen Begriffen besetzt sind, die da etwa heißen heuchlerisch, verlogen, nutzlos oder meinetwegen verschroben? Dieser Linke im bürgerlichen Gewand setzt sich ernsthaft mit dem Opium des Volkes auseinander?
Nach der Lektüre von »Einiges über den lieben Gott« war ich begeistert, ohne sagen zu können warum. Es dauerte eine Weile und brauchte zielloses erneutes Hineinlesen in das Buch, damit es deutlicher wurde: Der klare Blick auf Unklares macht das Faszinosum aus. Die wie beiläufig eingesetzte Technik des Übereinanderschichtens und Zusammenbringens von weit auseinander Liegendem, von Geschichten und Mythen und Ungewissheiten, die nichts miteinander zu tun haben, ist die Leistung Wippersbergs. Denn dieses scheinbar spielerische Verfahren ist in Wahrheit ein höchst komplexes und kunstfertiges, und es ist hoch effizient. Am einfachsten beschreiben lässt sich der Gewinn, der daraus zu ziehen ist, mit einem Zitat von Claude LeviStrauss: »Zeiten und Orte stoßen zusammen, erscheinen nebeneinander oder kehren sich um wie Ablagerungen, die durch das Erzittern einer brüchig gewordenen Schale durcheinander geworfen werden... Scheinbar zusammenhanglose Ereignisse aus den verschiedensten Zeiten und Gegenden schieben sich die einen über die anderen, bis sie, endlich zur Ruhe gekommen, ein Gebäude bilden, dessen Plan ein Architekt entworfen zu haben scheint, der weiser gewesen ist als meine Geschichte.« (aus: »Traurige Tropen«)
Wippersbergs zentrale These ist ebenso einfach wie einleuchtend: Nicht Gott hat die Menschen geschaffen, sondern Menschen haben sich Götter konstruiert und die dazu passenden Religionen, beziehungsweise Menschen haben Religionen geschaffen und die dazu passenden Götter. Diese These untersucht er dann in einer enormen Zusammenschau, die in ihrer erdrückenden Fülle aussieht, als hätte der Autor ein ganzes Leben lang alles Greifbare zum Religiösen gesammelt und geordnet und in zwingende Zusammenhänge gebracht. Spekulationen und spekulative Interpretationen spart Wippersberg dabei durchgängig aus. Das ist lobenswert, obwohl es interessant wäre, in einer zentralen (und nicht zu beantwortenden) Frage seine ganz eigene Spekulation zu hören: Warum schaffen wir Menschen uns Götter? Der zweite Hauptstrang, an dem entlang das Buch gebaut ist, ergibt sich aus dem ersten: Wippersberg schält aus der Riesenfülle von Material, das er vorlegt, chirurgisch präzise heraus, wie aus dem strengen, rachsüchtigen, ungerechten und parteiischen Kriegsgott des Alten Testaments der »liebe Gott« der Neuzeit wurde. Der Autor tut dies mit leichter Hand und so geschickt, dass er die Schlussfolgerung aus diesem Prozess nicht extra in sein Buch hinein schreiben muss. Wir Leserinnen und Leser stoßen selbst mit der Nase drauf, so offensichtlich ist es: Götter sind abhängig von den Zeitläuften, ihre moralischen Anforderungen an die Menschheit verändern sich parallel zu den Zeiten und Umständen, in denen die jeweiligen Gläubigen leben. Und Kirchen, zumal Amtskirchen, haben kein Problem damit, das Bild und das Regelwerk ihres ewigen einmaligen unveränderlichen Gottes recht ungeniert an die jeweiligen Machtverhältnisse und an die politischen und ökonomischen Gegebenheiten anzupassen.
Natürlich ist Wippersbergs Ausgangspunkt von dem Gott, den die Menschen erfunden haben wie ein Stück Literatur, nicht neu. Aber mit so verblüffender Eleganz und Leichtigkeit ist derartiges selten vorgebracht worden. »Einiges über den lieben Gott« ist nämlich auch pures vergnügliches Lesefutter, mir zumindest ist es mehrmals so ergangen, dass aus den geplanten paar Seiten vor dem Einschlafen ein die halbe Nacht dauernder Lesemarathon geworden ist. Der Analytiker Wippersberg, der mit zwar liebenswürdiger, aber gnadenloser Schärfe die Umstände und Bedingtheiten von Glaubenssachen ausleuchtet, hält sich perfekt an das erste und einzige Gebot, das Billy Wilder für das Medium Film formuliert hat, das aber meines Erachtens auch für die Literatur gilt: Du sollst nicht langweilen!
Ein zentraler Ausschnitt aus Wippersbergs nächstem und bislang letztem Buch, »Eine Rückkehr wider Willen«, erschien als Vorabdruck in der »Presse«. Die – unvorbereitete – Lektüre dieser Passage, gemütlich mit Kaffee und Zigarettchen und den Samstagszeitungen auf der Terrasse lümmelnd, Jacques Loussiers PlayBach-Juwelen im MP3-Format in den Ohren, hatte die Wirkung eines Hiebs auf den Kopf mit der stumpfen Seite eines Holzfällerbeils. Alles, was ich bisher von diesem Autor gelesen hatte, seine Untersuchungen der heimischen Parteienlandschaft in Romanform, seine Essays und zeitkritischen Anmerkungen in verschiedenen Periodika und Tageszeitungen, sein Buch über Gott – immer war ein Hauptmerkmal Distanz gewesen, unterkühlte Distanz. Dieser Autor pflegte in seinen Schriften von der eigenen Person und deren Befindlichkeiten abzusehen, er enthielt sich offensichtlich bewusst der zeitgemäßen Praxis, ein Ich als erzählerische Instanz mit den Fiktionalisierungen seiner Texte zu verknüpfen, um die Motivationen seines Erzählens zu reflektieren und offen zu legen.
Und jetzt die mit brutaler Gleichgültigkeit vorgetragene Schilderung eines Herzanfalls, den er selbst erlebt haben muss, daran lässt der Text keinen Zweifel, mit allen demütigenden und erniedrigenden Begleitumständen bis hin zum Verlust der Kontrolle über alle Körperausscheidungen in einem Biergartenpissoir. Der Schriftsteller, Filmemacher, Universitätsprofessor und informelle Kulturpolitiker Wippersberg hatte sich bis dahin, so schien es mir, ein Konzept der Maskierung zugelegt im Sinne von Michel Foucaults »philosophe masque« in der »Archäologie des Wissens«. Jetzt stieg er daraus aus, souverän und lapidar nahm er eine Entblößung großen Ausmaßes vor. Das Bemerkenswerte dabei: Die Selbstentblößung ist keinen Augenblick lang peinlich oder gar langweilig. Den Privatmenschen Wippersberg kenne ich zu wenig, um irgendetwas über ihn zu behaupten (und kennte ich ihn gut genug, würde ich es nicht tun). Die öffentliche Person Wippersberg neigt, so mein Eindruck, ab und an zum Herausstreichen des Eigenen, was ein wenig an den Begriff Eitelkeit denken lässt. Aber der Autor von »Eine Rückkehr wider Willen«, das Ich namens Wippersberg, das in diesem Text spricht, ist so was von uneitel und radikal ehrlich, vor allem in Sachen Wippersberg, dass es weh tut. Und zugleich Bewunderung abringt.
Es ist imponierend, wie dieser autobiographische Text sich einen Dreck schert um das im Literaturbetrieb verbreitete gezierte Herumgetue mit dem autobiographischen Schreiben. Der Autor hat sich allem Anschein nach für die Variante Frontalangriff entschieden. Nackt und bloß und beschmutzt stellt er das Ich in der Öffentlichkeit aus, ohne postmoderne Verrenkungen und Herumspielereien und Liebäugeln mit irgendwelchen fadenscheinigen Theoriegebäuden protokolliert da ein Autor, wie verwirrt und verletzt und zerbrechlich es ist, dieses Ich, das doch er selbst ist.
Sobald das Buch erschienen war, las ich es in einem durch. Ich kann nicht genau sagen, was mich daran gefesselt hat. Möglicherweise ist es die Mischung und fein komponierte Durchdringung einer dramatischen Erzählung über Hinfälligkeit und Gebrechlichkeit und Todesnähe mit einem ganz und gar unaufgeregten Protokoll über eine Kindheit in Steyr, der Geburtsstadt des Autors, in deren Krankenhaus er wider Willen zurückkehrt. Möglicherweise ist es die Verknüpfung mit dem Buch über Gott, das in der »Rückkehr wider Willen« ein paar Mal auftaucht. In einer Passage beschreibt Wippersberg seinen kleinen privaten Atheismus-Test: Anlässlich kaum zu ertragender Schmerzen bei einer Darmuntersuchung mittels eines unüblichen Verfahrens, auf dem der Patient selbst bestanden hat wegen seiner notorischen Abneigung gegen die (schmerzfreie) operative Variante, kommt er in Versuchung, Stoßgebete an jenen Gott zu richten, von dem er doch weiß, dass er nur eine Erfindung der Menschen ist. Wenn ich jetzt bete, dieses Gelübde gibt er sich selbst, dann werde ich mein neues Buch (eben jenes über den lieben Gott, das damals vor der Veröffentlichung stand) nicht erscheinen lassen. Nun ja, das Buch ist erschienen, Wippersberg hat seinen eigenen Atheismus-Test bestanden ...
Die parallel geschalteten Geschichten über das Heranwachsen des Autors strahlen einen Reiz von anderer Qualität aus. Es passiert da nichts Großartiges, es handelt sich weder um eine Not- und Elendsschilderung aus einer engen repressiven Provinz noch um eine Verklärung der schönen Zeiten, in denen wir noch jünger waren. Und trotzdem, trotz der Ereignislosigkeit auf der Handlungsebene, schimmern die Zeiten durch und die größeren Geschichten, die ja immer eingreifen in die Geschichten der »kleinen Leute« und deren Lebensläufe formatieren, egal, ob die »kleinen Leute« das überhaupt bemerken, und erst recht egal, ob sie das wollen oder nicht. Die Kunst des Erzählens von solchen Mechanismen besteht darin, sie nicht zu beschreiben und sie dennoch transparent und deutlich zu machen. Auch dies ist dem Verfasser gelungen.
Mit diesen beiden Büchern hat der Autor Walter Wippersberg seinem Schreiben deutlich eine neue, andere Richtung gegeben. Sein beharrliches Angehen gegen die Verdumpfung und Verdummung hierzulande zielt nun breiter als bislang nur aufs Politische. Und er hat den Blick auf sich selbst gerichtet. Den Büchern ist zu wünschen, dass sie die Öffentlichkeit finden, die sie verdienen. Neben allem, was daran zu loben ist, habe ich aus beiden sozusagen privaten Zusatznutzen gezogen. Sein Buch über den lieben Gott macht neugierig auf Gott, so sehr, dass ich nach langen Jahren wieder in Altem und Neuem Testament geblättert habe und in einem aus Schülerzeiten herüber gekommenen Katechismus. Letzterer hat dann übrigens meine Ressentiments gegen das Katholische bestätigt, was mit dem Erscheinungsjahr der Moral-Fibel (Sechzigerjahre des vorigen Jahrhunderts) zu tun haben dürfte. Und der Zusatznutzen von »Rückkehr wider Willen«: Mit der wie nebenbei eingestreuten lapidaren Bemerkung, in Zukunft nur noch dann etwas schreiben zu wollen, wenn er etwas zu sagen habe, hat mich der Schriftsteller Wippersberg zum Nachdenken über das eigene Schreiben gebracht.
Walter Kohl in Literatur und Kritik

 

 


Walter Kohl in Literatur und Kritik